Wer aktuell unseren Weinberg besucht oder von der gegenüberliegenden Neckarseite aus betrachtet, sieht ein markantes Streifenmuster in einem Teil des Weinbergs. Das ist kein neuer Zebrastreifen, sondern in der Neupflanzung unseres Grauburgunderfeldes wurde Stroh ausgebracht. Jede zweite Reihe wurde mit einem Strohbett bedeckt, während in den anderen Reihen eine Mischung aus Senf und Bienenweide (Phacelia) eingesät wurde.
Nach der Bodenbearbeitung wurden die von einem Plochinger Bauern angelieferten 70 Strohballen vom Weinbergsteam, das diesmal im wahrsten Sinne des Wortes aus „Strohmännern und – frauen“ bestand, sackweise ausgebracht.
Die Strohanwendung im Weinbau hat mehrere Vorteile. Zum einen hilft die Bodenbedeckung, den Boden vor Austrocknung und Erosion zu schützen. Das ist vor allem während der Sommermonate notwendig, denn bei den jungen Reben fehlt ja noch die schattenspendende Laubwand. Gleichzeitig ist Stroh ein organischer Dünger, der die Nährstoffversorgung ergänzen soll. Zusätzlich hilft die Strohabdeckung, das Wachstum von Unkraut zu reduzieren, indem sie die Lichtzufuhr zum Boden verringert. Insgesamt trägt die Verwendung von Stroh zur Verbesserung der Bodenqualität und der allgemeinen Gesundheit unseres Weinbergs bei.
Allerdings ist eine Strohabdeckung in einer Steillage wie unserem Weinberg nicht ganz ungefährlich, da die kleinen Traktoren je nach Wetterlage beim Befahren ins Rutschen kommen können. Daher ist jede zweite Reihe ohne Abdeckung. Der dort eingesäte Gründünger aus Senf und Bienenweide hat ähnlich bodenfördernde Effekte. Speziell die Phacelia ist durch ihre Stickstofffixierung ein hervorragender Bodenverbesserer und trägt zur Humusbildung bei. Zusätzlich ist die Begrünung eine willkommene Einladung an alle Nützlinge im Weinberg.
»Grauburgunder-Kindergarten« und »Stämmle butza«
Zu unserer großen Freude treiben jetzt im zweiten Jahr unsere Grauburgunder-Jungpflanzen kräftig aus. Lediglich 27 der insgesamt 668 eingepflanzten Reben werden wir in den kommenden Wochen ersetzen müssen. Allerdings brauchen alle Triebe aktuell noch sehr intensive Pflege. Bei den kleinen und noch empfindlichen Pflänzchen ist viel Fingerspitzengefühl notwendig, um das Wachstum zu unterstützen und ggf. zu korrigieren. Eine vorsichtige Reberziehung, die man bildlich durchaus mit Kindergarten oder Schule vergleichen kann. Wenn alles gut geht, werden wir im Jahr 2026 unseren Grauburgunder-Jungfernwein ernten können.
Die Weinrebe ist eine Kletterpflanze, die ungeschnitten munter klettert und weiterwächst. Das ist im Weinberg und mit Blick auf die Traubenqualität natürlich nicht erwünscht. Daher werden Weinreben regelmäßig eingekürzt und in einer Drahtanlage geführt. Was passieren würde, wenn man diesen Rückschnitt nicht konsequent weiterführt, kann man an den Stämmen unserer Rebstöcke erkennen.
Obwohl einige von ihnen mit einer dicken und dunklen Borke umgeben sind, sprießen immer wieder Triebe selbst aus den „uralten“ Stöcken. Um die Kraft in die „gewollten Triebe“ zu kanalisieren, werden konsequent alle „Wildtriebe“ abgerissen oder abgeschert, um einen erneuten Austrieb zu unterbinden. „Stämmle butzan“ wird diese Arbeit genannt, die in der aktuellen Wachstumsphase sehr wichtig ist. Dazu muss jeder Stock einzeln bearbeitet werden.












